31 Jahre Schröder+Schömbs PR

Who the Hell is Schröder?

Februar 2020, genau vor einem Jahr. Schröder+Schömbs PR feiert 30. Geburtstag und Gerald hat mich gebeten, was dazu zu schreiben. “Ist nicht eilig, das Jubiläum dauert ja das ganze Jahr.”


Im April hab ich angefangen. Jetzt ist Januar 2021. Inzwischen steht schon der 31. Geburtstag an. Ich bin jetzt seit 25 Jahren Geralds Partner bei Schröder+Schömbs. Und weiß immer noch nicht, was ich schreiben soll.
Ich habe es in mehreren Anläufen versucht. Erst mit einem lustigem Ansatz. Geschichten und Anekdoten. Schenkelklopfer. Die gehören eigentlich in jede Jubiläumsansprache. Da habe ich massenhaft Material.

pr-und-influencer-relations-agentur-berlin-Who the Hell is Schröder? - 31 Jahre Schröder+Schömbs PR
Nach gelöschtem Brand in der Kaffeeküche 2013, Bacardi-Party mit Kelly Rowland 2012, Weihnachtsfeier in Prag 2003 (v.l.n.r.)

Von den MTV (“We are not paying for ideas”) Music-Awards und der Polizeisperrung der Wilhelmstraße 1994 zum Trendscouting, von unserer Fabriketage in Moabit mit Geralds Harley im Büro, vom Swatch Collectors-Club, GAP am Kudamm und Niketown, Jürgen Laarmann und Frontpage, der Love Parade, miniMAL Happy Family, dem Kunstmuseum Wolfsburg, dem Hard Rock Cafe und Planet Hollywood. Ich könnte erzählen von Geralds und meiner Beteiligung an Bob Youngs Bar “808” in der Oranienstraße, den unbeschreiblichen “Obi Bieber Beats”, von den großartigen Leuten, die es bei uns gegeben hat, und von den paar Idioten, die es auch gegeben hat. Vom Umzug in die Torstraße, von der Telekom, vom Neuen Markt, unserem (am Ende nicht geglückten) Verkauf der Agentur an einen amerikanischen Werbe-Konzern, dem Ableger in München, von dem Trip zur Weihnachtsfeier nach Prag mit einem Learjet, von Converse, “Jägermeister sucht Miss Arschgeweih” und der Rock-Liga, der Gründung der Berlin Food Week und Bacardi mit Kelly Rowland. Das kann ich noch seitenlang so weitermachen.

pr-und-influencer-relations-agentur-berlin-Who the Hell is Schröder? - 31 Jahre Schröder+Schömbs PR
Cannes 2011, Office 2014

War so semi-unterhaltsam, ich hab’s probiert. Wenn man Erinnerungen aufschreibt, verlieren sie wie ein Wein beim Reisen. Und es war schwer zu vermeiden, ständig in Sentimentalitäten von den guten alten Zeiten zu verfallen. Aber vielleicht ist das auch nur subjektiv.


Der Praxistest mit meinem Sohn jedenfalls scheitert. Wenn wir durch Berlin fahren, kommen wir ganz oft an Orten vorbei, und ich erzähle, dass wir hier und hier und da irgendwann irgendeine Party, Aktion oder Veranstaltung gemacht haben, und serviere eine Story dazu. Das Interesse ist so höflich wie schlecht gespielt.


Also nicht.


Dann anders. In meinem Alter geht auch ein Ratgeber. Ein bisschen ein professionellerer Ansatz würde dem Anlass gut stehen.

pr-und-influencer-relations-agentur-berlin-Who the Hell is Schröder? - 31 Jahre Schröder+Schömbs PR

Wie oft werde ich von Profis in unserem Business, von Unternehmensberatern oder Coaches gefragt, wie wir das so lange so erfolgreich geschafft haben und an all die tollen Kunden gekommen sind? Da könnte ich was Edukatives draus machen, eine Melange aus ein bisschen Populärwissenschaft und -psychologie, gewürzt mit einer Prise Philosophie und ein paar fragmentarischen Lebensweisheiten von Henry Ford und Konfuzius aus dem Esoterik-Kalender. Die Geheimnisse erfolgreicher Unternehmensführung bei Schröder+Schömbs … Aber wo anfangen?

Bei der Akquise? Wir hatten die Pitch-Etiquette. Dem Kundenportfolio? Kunden müssen inspirieren und Spaß machen. Führung? Wer Führung braucht, den brauchen wir nicht. Struktur? Ja, irgendwie, wo’s sein muss. Hierarchie? Kollegialität. Organisation? Klappt schon. Wo möchten Sie in fünf Jahren sein? Dämliche Frage. Vision? Schaun wir mal. Umsatz? Solange es nicht nervt. Kunden? Müssen Spaß machen. Geld? Allein macht es nicht glücklich. Mitarbeiter? Haben wir nicht, sondern Kollegen und Freunde. Ziele? Freiheit und Selbstentfaltung für alle. Prioritäten? Nette und inspirierende Kollegen. Finanzplanung? Vor allem ohne Banken.


Fakt ist, dass es keine Geheimnisse gibt. Und nichts, woraus man generelle Weisheiten und Ratschläge zimmern könnte. Ein anderer Ansatz musste her. Ich dachte an eine emotionale Aufarbeitung. Sowas mit seelischem Tiefgang.


Ich habe darüber geschrieben, dass ich mit Gerald den besten Partner habe, den man sich wünschen kann. Wir ticken sehr ähnlich und waren in entscheidenden Fragen immer einer Meinung. Und haben vor allen Dingen immer schnell eine Idee entwickelt, die zu einem Konsens oder Kompromiss geführt hat. Und wir arbeiten jetzt seit 25 Jahren zusammen. Das gibt es nicht so oft.

pr-und-influencer-relations-agentur-berlin-Who the Hell is Schröder? - 31 Jahre Schröder+Schömbs PR
Am Rande der 25-Jahres-Feier 2015 (Foto: Tom Wagner), Geburtstag in der Agentur 2013

Ich habe geschrieben über die großartigen Kollegen in all den Jahren. Und darüber, dass die Firma immer mehr als eine Firma war. Zuhause, Familie, Inspiration, Bildungseinrichtung, Musik, Style, Experimentierlabor, Kreativität, Treffpunkt, Traum, interessante Persönlichkeiten, Lifestyle, Promis, Rock’n Roll, Austausch, Hobby, Freundschaften, Erkenntnisse, Freizeit, Party, Kunst, Freiheit und ein Goldfisch.


Am Ende war das schon zu tief. Und auch zu sentimental. Das konnte ich niemandem zumuten.


Also was soll ich zum Jubiläum schreiben? Story of my SchröSchö-Life? Sorry, ich weiss es nicht.

pr-und-influencer-relations-agentur-berlin-Who the Hell is Schröder? - 31 Jahre Schröder+Schömbs PR
“Schröder” und Schömbs 2015 (Foto: Tom Wagner)

Ok, eine Sache gibt es vielleicht. Eine Kleinigkeit, ein kleines Geheimnis.

Ganz viele unserer Neukunden oder neuen Kollegen haben gedacht ich sei der Schröder in Schröder+Schömbs. Auf die Frage “Ach, Sie sind Herr Schröder?” hab ich immer brav geantwortet “Nein, die Geschichte hat einen anderen Hintergrund …” und hab’s mit Humor genommen.

Aber ganz ehrlich und in echt und unter uns:

Ich war immer irgendwie gerne Herr Schröder. Und war immer stolz drauf.

Elmar von Hoesslin, Januar 2021